Die Borgward-Story

Die Automobilindustrie der Hansestadt Bremen begann sich kurz nach der Jahrhundertwende zu entwickeln. Bereits 1905 waren im oldenburgischen Varel die Hansa-Automobilgesellschaft und 1906 in Bremen die Namag (Marke "Lloyd") gegründet worden, die 1914 zur Hansa-Lloyd-Werke AG fusionierten. Nach dem ersten Weltkrieg trennten sich beide Firmen wieder, entwickelten sich aber wenig glückhaft, bis sie 1929 vor dem Zusammenbruch standen.

Da übernahmen die Goliath-Werke Borgward & Co.GmbH die Aktienmajorität. Diese Firma war 1928 von dem damals 38jährigen Carl F.W. Borgward eingerichtet worden mit dem Zweck, seinen bis dahin bereits gut eingeführten Goliath-Blitzkarren in größerem Umfang zu bauen. Ende 1931 verschmolz Borgward das Goliath-Werk mit den Hansa-Lloyd-Werken. Außer Nutzfahrzeugen, die sich stets gut verkauften, brachte er eine Reihe neuer Personenwagenmodelle heraus.

Nach dem 200 ccm Dreirad Goliath-Pionier und den allerdings weniger überzeugenden Heckmotor-Kleinwagen Hansa 400 und 500 erschien 1934 Borgwards erfolgreichster Vorkriegstyp, der Hansa 1100, ein robuster Vierzylinder mit sehr ansprechender Form. Dazu kam bald der Hansa 1700 mit Sechszylindermotor und schließlich, schon mit neuem Markenzeichen, der Borgward 2000, der Borgward 2300 sowie in geringer Stückzahl ein 3,5 Liter-Modell.

Seit 1938, als eine neu errichtete Fabrik in Bremen-Sebaldsbrück in Betrieb genommen wurde, lautete die Firmenbezeichnung Carl F. W. Borgward Automobil-und Motoren-Werke GmbH. Im zweiten Weltkrieg wurden dort hauptsächlich Panzerfahrzeuge und Zugmaschinen hergestellt.
1948 kehrte Borgward 58-jährig aus der Internierung zurück. Die Lastwagenproduktion lief zu jener Zeit bereits wieder, und bald erschien nun der Hansa 1500, dem im Laufe der Jahre der 1800, der 2400, die Isabella und der 2,3 Liter P 100 folgten.

Dazu gründete Borgward nunmehr als selbständiges Unternehmen das Goliath-Werk GmbH, und die Lloyd- Motoren-Werke GmbH, die mit ihren verschiedenen Modellen zeitweise sehr viel, zeitweise auch weniger Erfolg hatten. Die Isabella und das wunderschöne Isabella-Coupe sind die beliebtesten und bekanntesten Modelle. Im Herbst 1960 geriet jedoch die Borgward-Gruppe in finanzielle Schwierigkeiten.

Am 4.Februar 1961 überschrieb der inzwischen mit dem Titel eines Konsuls geehrte Dr.Borgward seine Firmen Borgward, Goliath und Lloyd entschädigungslos dem Senat der Hansestadt Bremen. Nun übernahm der Bremer Senat die Fabriken des einstigen Privatkonzerns, um diese vor dem endgültigen Zusammenbruch zu bewahren, doch schon im Juli 1961hatten die Staats-Sanierer die Borgward-Gruppe ins Jenseits regiert.
20 000 Menschen waren arbeitslos, Teile der Produktionsanlagen wurden nach Mexiko verkauft, jedoch lief die Fertigung nie richtig an. Konsul Dr.-Ing. h.c.Carl F. W. Borgward, zeitlebens mehr Konstrukteur als Geschäftsmann gewesen, ist 74 Jahre alt am 28. Juli 1963 gestorben.